Verschleierte Risiken

Graumarkt-Anleger oft schlecht informiert

Acht Prozent Zinsen schüttete Prokon an seine Investoren aus, bevor das Windkraftunternehmen 2014 Insolvenz anmeldete. Vielen war garnicht klar, was für ein Risiko da eingegangen waren. Noch immer wiegen viele Graumarkt-Firmen Anleger in trügerischer Sicherheit.

Lukrative Geldanlagen werden derzeit verzweifelt gesucht. Klassische Sparprodukte werfen in der anhaltenden Niedrigzinsphase fast nichts mehr ab. Selbst für zweijähriges Festgeld gibt es kaum noch 1,5 Prozent, von sicheren Alternativen mit besseren Zinsen keine Spur. Da wundert es wenig, wenn die Werbung für Produkte des „Grauen Kapitalmarkts“ bei vielen Anlegern auf fruchtbaren Boden fällt. Viele Privatanleger wüssten allerdings gar nicht, in was genau sie da investierten, kritisiert die Verbraucherzentrale Hessen. In einer Studie mit 91 Anzeigen haben die Verbraucherschützer geprüft, wie für die Produkte des Grauen Kapitalmarkts geworben wird. In den meisten Fällen erfuhren die potentiellen Kunden kaum etwas über die Risiken der jeweiligen Geldanlagen.

Dass diese nicht zu vernachlässigen sind, ergibt sich schon aus der Definition des Grauen Markts. Die Anbieter, die dort aktiv sind, brauchen keine Erlaubnis der Finanzaufsicht BaFin und müssen relativ wenige gesetzliche Vorgaben erfüllen. Das sei nicht illegal und auch nicht per se schlecht, betont die Bafin. Am Graumarkt finanzierten sich beispielsweise solide mittelständische Industrieunternehmen. Vielversprechende Startups könnten sich hier mit Gründungskapital versorgen. Doch das geringe Maß staatlicher Kontrollen zieht neben seriösen Anbietern eben auch dreiste Zocker an.

Reichlich Möglichkeiten

Wer sein Geld am Graumarkt anlegen will, hat reichlich Möglichkeiten: Geschlossene Immobilienfonds, Termingeschäfte, Unternehmensbeteiligungen, Crowdfunding, Gold- oder Edelmetallsparpläne zählen dazu. Auch Direktinvestments sind möglich, unter anderem in Holz, Edelmetalle, Minen und sogar in Rinder, wie die Verbraucherzentrale Hessen feststellte. Die Branche schläft nicht, nach Angaben der Bafin werden ständig neue Investments entwickelt. Und die müssen dann an den Mann gebracht werden. Geworben wird im Internet, mit Anzeigen in Zeitschriften und Zeitungen, per Telefon, Werbebrief oder auf Verkaufsveranstaltungen.

Die hessischen Verbraucherschützer haben sich auf Werbung in Print- und Onlinemedien konzentriert und im Rahmen des Projektes „Marktwächter“ 91 Werbeanzeigen unter die Lupe genommen. 80 davon fielen durch. In fast allen wurden die Vorteile der Geldanlage einseitig hervorgehoben, etwa mit Slogans wie „Hohe Rendite trifft geringes Risiko“. „Vier von fünf Produkte scheiterten schon an diesem Kriterium der Prüfung“, sagt Wolf Brandes von der Verbraucherzentrale. Fast jeder zweite Anbieter weise zudem überhaupt nicht auf die Verlustmöglichkeiten hin. Wenn Risiken erwähnt wurden, dann oft versteckt, in kleiner Schrift oder stark verklausuliert, kritisieren die Verbraucherschützer. „Bei einigen Angeboten war nicht einmal erkennbar, um was für eine Art von Kapitalanlage es sich handelte oder in welche konkreten Produkte investiert werden sollte“, so Brandes.

Neue Regeln haben Lücken

Wie schlecht manche Privatanleger über die Risiken der Graumarktanlagen informiert sind, offenbarte sich zuletzt beim Milliardenskandal um den Windkraft-Finanzierer Prokon, dessen Insolvenz Anfang 2014 viele Anleger völlig unvorbereitet traf. Als Folge dessen trat im Sommer 2015 das Kleinanlegerschutzgesetz in Kraft. Nun müssen Anbieter und Vermittler mehr, bessere und aktuellere Informationen in ihren Verkaufsprospekten veröffentlichen. Außerdem kann Werbung für besonders riskante Angebote beschränkt oder komplett verboten werden. Die Bafin hat mehr Rechte, um gegen schwarze Schafen in der Branche zu ermitteln. Die Angebote in der Stichprobe fielen wegen der Übergangsfristen zum größten Teil noch nicht unter die neue Regelung. Die, die es taten, entsprachen aber auch nicht den Vorgaben.

So wundert es nicht, dass die Verbraucherschützer keine allzu großen Hoffnungen in das neue Gesetz setzen. Neuregelungen führten zu Ausweichreaktionen. Zudem werde ein Teil der Produkte des Grauen Marktes ohnehin nicht von den neuen Regelungen erfasst. Investitionen in Gold etwa blieben außen vor. Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert daher, die Werbung für Investments des „Grauen Kapitalmarktes“ generell zu regulieren. „Da es sich um Anlageformen mit besonderen Risiken handelt, sollte zumindest die Art der Werbung so geregelt sein, dass Missverständnisse ausgeschlossen sind.“ Ansonsten könnten falsche Vorstellungen auch weiter zu teuren Fehlinvestitionen führen.

http://www.n-tv.de/ratgeber/Graumarkt-Anleger-oft-schlecht-informiert-article17582546.html