ERTRAG UND RISIKO – RISIKEN RICHTIG EINSCHÄTZEN

Laut einer Studie wA?nschen sich rund 70 % der Anleger eine hohe Rendite bei ihrer Altersvorsorge, bei gleichzeitig hoher Sicherheit. Ein frommer Wunsch, der leider eine Traumvorstellung bleibt. Risiko bei Finanzanlagen wird von Laien vielfach mit a�zGeld verlierena�? oder a�zzwischenzeitliche Kursverluste erleidena�? gleichgesetzt:
Aktienfonds werden daher oft als riskant, festverzinsliche Anlagen, wie z. B. Festgeld, als risikofrei empfunden und bezeichnet. Diese Definition von Risiko ist viel zu einfach. Die Experten von Honorarfinanz durchleuchten diesen VerstA�ndnisfehler bei Anlegern und zeigen auf, welchen Zusammenhang Rendite und Risiko haben.

Eine der Kernaussagen der Kapitalmarkttheorie ist, dass Risiko und Rendite untrennbar miteinander verbunden sind und das demnach eine hA�here erwartete Rendite auch mit einem hA�heren Risiko einhergeht. Risiko und Rendite bedingen sich bei der Geldanlage immer gegenseitig. HA�here Renditechancen musste man sich als Anleger schon immer mit hA�heren Risiken erkaufen. Wenn einem jemand hohe Renditen ohne Risiko anbietet, sollte man besonders aufpassen.

Risiken richtig verstehen

Risiko ist die MA�glichkeit, dass gegenA?ber einer Planung eine unerwarteteA�Verschlechterung eintritt. WA�re z. B. der KursrA?ckgang eines WertpapiersA�vorhersehbar, dann wA�re der Kauf dieses Papiers kein Risiko, da diese Entwicklung zwar negativ ist, aber vorher bekannt war. Es kommt also darauf an, dass das negative Ereignis nicht erwartet wurde. Weiterhin ist wichtig, dass diese unvorhergesehene Verschlechterung immer mal wieder stattfinden muss, sonst wA�re es kein Risiko. Umgekehrt ist von Anlagen, die ein geringeres Risiko besitzen, also geringe Wertschwankungen aufweisen, jedenfalls langfristig auch keine hohe Rendite zu erwarten. Risiko hat viele Gesichter. Je nach Situation, Zeitpunkt und Investor variiert das subjektive Empfinden von Risikoart und RisikoausmaAY. In einer gewissen Weise hat finanzielles Risiko auch eine philosophische Dimension:
Wer im Leben stets auf a�zNummer sichera�? geht, wird wohl selten abstA?rzen,A�aber vermutlich auch selten einen Gipfel erklimmen. Auch hat ein und derselbe Anleger im Zeitablauf verA�nderliche Vorstellungen von Risiko. DaherA�ist es fA?r rationale Anleger vorteilhaft, finanzielles Risiko aus mehreren Blickwinkeln zu verstehen.

Risiko und Rendite sind untrennbar miteinander verbunden.

Eins ist aber eine eindeutig belegbare wissenschaftliche Erkenntnis:
Rendite kommt von Risiko und ist die Belohnung fA?r das Tragen von Risiko. Beides ist untrennbar miteinander verbunden, so das Gesetz der A�konomie. WA�ren Aktien nicht risikoreich, wA?rden sie langfristig keine rund fA?nfmal so hoheA�Rendite erzielen wie das risikoA�rmste Investment z. B. einer kurzlaufendenA�europA�ischen Staatsanleihe hA�chster BonitA�t. Das Risiko bei einer Geldanlage bemisst sich an der Frage: Wie wahrscheinlich wird das mit der Geldanlage verbundene Sparziel innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums erreicht? Risiko ist also immer an ein Sparziel und an einen Anlagezeitraum geknA?pft. Risiko ist also die MA�glichkeit, zum vorgesehenen Zeitpunkt A?ber weniger liquide Mittel zu verfA?gen als geplant.

Was auf dem Weg zum Ziel passiert, ob z. B. durch einen Aktiencrash zwischenzeitlich auch einmal grA�AYere Buchverluste entstehen kA�nnen, hatA�nichts mit Risiko zu tun. Geld verloren hat man durch den reinen KursrA?ckgang nA�mlich nicht. Nur, wenn man zu solch einem ungA?nstigen Zeitpunkt verkaufen wA?rde und aus Buchverlusten reale Verluste wA?rden, dann hA�tte man bei einem Verkauf der Wertpapiere weniger LiquiditA�t als zu diesem Zeitpunkt ursprA?nglich geplant war. Eine Geldanlage, die eine hohe Renditechance aufweist und kein Risiko birgt, gibt es nicht! Doch immerhin gibt es in der Investmentwelt zwei erfreuliche EinschrA�nkungen: Zum einen nimmt das Risiko in der Regel ab, je lA�nger der Anlagehorizont ist. Zum anderen kann Risiko durch sinnvolle Diversifikation der Anlagen deutlich reduziert werden, ohne dass sich die Rendite verringert. FA?r das Einzelinvestment bleibt aber eine hohe Renditeerwartung immer mit hohem Risiko verbunden.

Fehlverhalten fA?hrt vor allem zu Risiken

Mit gesundem Menschenverstand kann man also feststellen, das Risiko und Rendite miteinander verknA?pft sind. In der FinanzA�konomie wA?rde man keine Sekunde an diesem Gesetz zweifeln. Anders dagegen sehen es oft die Teilnehmer der Finanzindustrie, die gegenA?ber ihren Kunden gerne so tun, als kA�nnten sie dieses Gesetz mit speziellen LA�sungen auAYer Kraft setzen. Oft glauben Anleger den Renditeversprechen der Finanzprofis und schalten den gesunden Menschenverstand aus. An den KapitalmA�rkten die volle Renditepartizipation zu erzielen und dabei keine Risiken eingehen zu mA?ssen, wird von Anlegern am Ende teuer bezahlt.

ErfahrungsgemA�AY gibt es aber nicht wenige Anleger mit guter Finanzbildung, die ihr Geld vor allem durch ihr eigenes Fehlverhalten verlieren, weil sie plA�tzlich kontrA�r zu den Gesetzen handeln. Vor allem neigen gerade gut ausgebildete und professionelle Anleger dazu, ihre eigenen Kenntnisse relativ zu den A?brigen Investoren massiv zu A?berschA�tzen. Sie haben deshalb die unangenehme Angewohnheit, in Produkte mit komplexen Risiken zu investieren, die sie selbst gar nicht verstehen. Diese a�zA?berkonfidenza�? ist von der VerhaltensA�konomie schon lange als eine der Hauptursachen von Anlegerfehlern identifiziert worden. Um Finanzanlagen zu beurteilen, die Risiken beinhalten, reicht es nicht, nur die dahinterstehende Finanzmathematik zu begreifen. Man benA�tigt Kenntnisse A?ber die Funktionsweise von realen MA�rkten, man muss verstehen, warum Produkte erfolgreich sind und was mA�glicherweise mit ihnen schiefgehen kann. Dennoch stA?rzen sich gerade in Zeiten niedriger Zinsen fA?r sichere Geldanlagen Anleger in Finanzprodukte, die hohe ErtrA�ge versprechen, ohne dass die GrA?nde fA?r die angeblichen Renditen verstanden oder hinterfragt werden. Ein tiefes Problem ist, dass die A?berwiegende Anzahl von Anlegern a�� und dies schlieAYt sowohl die meisten privaten wie auch viele institutionelle ein a�� Geld anlegt, ohne sich zu fragen, wie der A�konomische Mechanismus funktionieren soll, der ihnen eine spA�tere RA?ckzahlung bzw. hohe Rendite ermA�glichen und sichern soll. Vielen Anlegern fehlt ein grundlegendes VerstA�ndnis von Risiko und Rendite, von der Art und Weise, wie Renditen zustande kommen. Auch die Investition in ETFs bewahrt einen nicht vor Risiken. Im Gegenteil: Kombiniert man ETFs falsch, so werden sie zur riskanten Geldanlage mit hohem Verlustpotenzial.

Im Ergebnis kann man eine Anlageform nicht per se als a�zriskanta�? der a�zsichera�? bezeichnen. Der Begriff Risiko macht immer nur Sinn, wenn er einem Sparziel mit zugehA�rigem zeitlichem Anlagehorizont zugeordnet ist und der Anleger im Vorfeld seine eigene Risikoneigung definiert.